die katholische Soziallehre
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Reflexionen 9
. Kapitel: Die internationale Gemeinschaft
Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung Hans Holzinger
Welche Wirtschaftsmodelle ermöglichen größt- möglichen materiellen Wohlstand für alle? Um welchen Preis? Ist Nachhaltigkeitin unserer Welt möglich?
Der bei der Weltumweltkonferenz 1987 der Öffentlichkeit vorgestellte Brundtlandtreport „Our Common Future“ definierte„Sustainable Development“ als Entwicklung, „welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“ Fünf Jahre später, bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, wurde „Nachhaltigkeit“ in der so genannten „Agenda 21“ in ein „Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert“ gegossen. Als Eckpfeiler des Programms lassen sich ausmachen: • Ökologische, ökonomische und soziale Faktoren sind gleichrangig zu bewerten und zu berücksichtigen (integrierter Ansatz). • Nachhaltige Entwicklung ist ein langfristiger Prozess und in konkreten Schritten auf regionaler, nationaler und globaler Ebene zu organisieren (Mehrebenenpolitik). • Die „Agenda 21“ konkretisiert das Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung in verschiedenen Politik- und Handlungsfeldern und listet eine Vielzahl von Maßnahmen auf (Handlungsorientierung). (...)
Wertesetzendes Prinzip Kollektives Lernen erfolgt in der Regel aus Krisen, Gefahren, eingetretenen Katastrophen. Aufgrund der Komplexität moderner Gesellschaften und der Reichweite der durch die moderne Technik im naturwissenschaftlichen Zeitalter angestoßenen Veränderungen ist heute aber auch Gefahren vorwegnehmendes, antizipierendes, Zukunft planendes Verhalten nötig. Denn: Unsere „Wirkkreise“ haben unsere „Verantwortungskreise“ überschritten, so der Verantwortungsethiker Hans Jonas. Die „Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome sind somit zu lesen als erstmalige Erinnerung an die Begrenztheit physischen Wachstums in einer begrenzten Welt. Die Einführung des Begriffs der Nachhaltigkeit erinnert an das Moment der Sorge, des sorgenden Umgangs mit der Umwelt sowie mit der Nachwelt - und in seiner Erweiterung auf Nachhaltige Entwicklung an die Dimension der (bislang vorenthaltenen) Welt-Gerechtigkeit, also des Rechts aller Menschen, sich im Rahmen der ökosystemischen Grenzen Wohlstand zu schaffen. 800 Millionen Menschen gehen täglich hungrig zu Bett, sofern sie über eines verfügen. 30.000 Kinder sterben täglich an den Folgen von Unterernährung und mangelnder medizinischer Versorgung. Zugleich steigt der Reichtum der Wenigen, die immer mehr an Reichtümern anhäufen. Hunger ist kein Knappheitsproblem, so der UN- Sonderbeauftragte für das Recht auf Ernährung, Jean Ziegler, sondern eines falscher Strukturen (...) Die zentrale Frage lautet daher: Welche Wirtschaftsweisen und institutionellen Designs ermöglichen größt- möglichen materiellen Wohlstand für alle ErdenbürgerInnen unter Beachtung der ökosystemischen Grenzen und wie ist die geforderte Grundbedürfnisstrategie (Konzept von „Needs“ und „Wants“ nach Herman Daly) am besten umzusetzen? Anders gewendet: Ist Nachhaltigkeit im Kapitalismus möglich?
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Der Autor
Mag. Hans Holzinger ist Geograph und Germanist, seit 1992 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Robert-Jungk- Bibliothek für Zukunftsfragen in Salzburg; Mitherausgeber der Zeitschrift „pro Zukunft“, Berater am Lehrgang „Soziale Verant- wortung”.
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